Malen für TSUNAMI!
Ein Projekt aus der Reihe der iEARN
Projekte geführt von Frau Bader
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Donnerstag, 20.1., 9h: aus vier verschiedenen Klassen sammle ich mir die indischen Kinder zusammen, die älteste ist Amanpreet aus der 4c. Sie ist auch schon 3 Jahre hier und ganz wichtig für mich als Dolmetsch. Die Zwillinge Sonja und Gagandeep aus der 3.Klasse sind nämlich erst im Dezember nach Österreich gekommen und verstehen noch sehr wenig. Ich habe aber auch noch eine Amanpreet aus der 2c mit, eine Manpreet aus der 4d und einen Haarpreet aus der 3c. Als ich sie nun verwundert frage, warum eigentlich so viele Namen mit der Endung –preet, erklärt mir Sonja (durch die Übersetzung von Amanpreet), dass diese Endung für jemanden aus dem Punjab steht, eine Bergregion in Indien, aus der sie alle kommen. Eigentlich – und Gott sei Dank - ist ja keiner von ihnen aus dem Küstengebiet, das so schwer unter der Tsunami Katastrophe zu leiden hatte, aber sie verstehen sehr gut, was es bedeutet, alles zu verlieren. Ebenso wie die zwei Buben aus Tschetschenien, die auch erst seit wenigen Monaten hier sind.
9h15: wir treffen in der Galerie in der Ullmannstraße ein. Joanne begrüßt uns freudig. Die vorbereitete Leinwand liegt bereits auf dem Boden. Joanne hat den Kindern als kleinen Anreiz zwei Elefanten und eine indische Prinzessin vorgezeichnet. Eigentlich hatten wir einen anderen Entwurf, aber die Skizzen gefallen mir so gut, dass ich spontan entschließe, sie einzubauen.
Bild 1 Wir hatten mit den Schülern vorher den Entwurf besprochen, als wir über so viel über die Tsunami Katastrophe debattierten. Die Leinwand im Hintergrund wie die österreichische Fahne, darauf oben „CHILDREN OF TSUNAMI HAVE HOPE“ und unten „WE CHILDREN IN AUSTRIA DO THINK OF YOU“ (Kinder des Tsunami habt Hoffnung, wir Kinder in Ö denken an euch).
Bild 2 In die Buchstaben sollen die indischen Kinder Muster, Ornamente und Details malen, die sie an Asien erinnern.
Bilder 3 und 4 Im weißen Mittelteil sollen dann die restlichen Kinder der Klasse (türkischer, serbischer, bosnischer, mazedonischer Herkunft) sich selbst darstellen. Die Fahne im Hintergrund stellt den momentanen Lebensbereich der Kinder dar, die verzierten Buchstaben ihre Erinnerungen, Träume und Hoffnungen, und die Gestalten im Mittelteil die Kinder, selbst in der Fremde und auch oft die Heimat unter sehr traurigen Umständen verloren. Dass sich dabei nun zwei Elefanten du eine indische Prinzessin befinden, nehme ich als symbolträchtig entgegen, besonders als ich der kleinen schüchternen Sonja erlaube, die Prinzessin anzumalen, und ich sie zum ersten Mal so richtig aufstrahlen sehe.
Bild 5 Manpreet ist seit einem Jahr bei uns. In ihrer Klasse gibt es keine anderen Inder und so sitzt sie in der Stunde wie in der Pause auf ihrem Platz, verschlossen, manchmal wie mürrisch in sich gekehrt. Als ich die Kinder nun beim Malen beobachte, geht mir das Herz auf. Manpreet sitzt in ihre Arbeit versunken, im Buddhasitz, und als sie den Kopf plötzlich hebt, leuchtet ihr Gesicht aus einem inneren Glück heraus.
Bild 6 All das hätte ich nicht fertig gebracht ohne meine große Amanpreet, die mit Liebe und Geduld alles übersetzt und alle anleitet.
Bild 7 Sie hat mich noch gebeten, ihre Freundin Bianca aus Rumänien mitzunehmen, die auch wie eine Mutter liebevoll die anderen anleitet. Mir fällt immer wieder auf, um wie vieles reifer und verständnisvoller gerade Mädchen sind, die so schwere Schicksale erdulden mussten.
Bild 8 Die kleine Amanpreet aus der 2.Klasse hat sie so ins Herz geschlossen, dass sie all ihre Deutschkenntnisse hervorholt, damit Bianca sie versteht.
Bild 9 Als die Kinder das erste Mal nach 3 Stunden (!) ein wenig müde werden, zeigt ihnen Joanne andere Mural Bilder, die sie fotografiert hat, und obwohl Joanne nur Englisch spricht, das die Kinder noch weniger können als Deutsch, lauschen sie alle wie gebannt.
Bild 10 Ein Detail am Rande: als wir mittags in die Schule zurückkehren müssen, sagt Joanne den Kindern, dass sie jederzeit wiederkehren dürfen. Bianca und Amanpreet, die Große, wollen noch am selben Nachmittag, Sonja möchte auch. Also holen wir die Erlaubnis von Sonja’s Mutter mit dem Handy ein, und weil sie eine Stunde Mittagspause haben, erlaubt Amanpreet’s Mutter, die gleich in der Nähe der Schule wohnt, dass sie bei ihnen zum Essen bleibt. Ich gehe eine Stunde später wieder mit den dreien zur Galerie zurück, und wir malen bis zum Abend. Als wir dann wieder zur Schule gehen, wo sie ihre Rucksäcke holen, erkenne ich Sonja nicht wieder. Die seit ihrer Ankunft im Dezember nicht oder nur flüsternd sprach, sprudelt wie ein Wasserfall, lacht und tanzt herum – endlich hat sie in diesem fremden Land eine Freundin gefunden!
Ich wünsche mir, dass ein Teil des Glücks, das beim Malen entstanden ist, auch in diesem Bild erhalten bleibt, und Frieden und Hoffnung in die Welt bringt!
Maria Bader, 23.1.05