Das laufende
Schuljahr 2003/04 ist geprägt von den Kürzungen durch das
Finanzausgleichgesetz, wodurch etwa 700 LehrerInnen weniger an den
Wiener Pflichtschulen tätig sind. Höhere KlassenschülerInnenzahlen, rigide Supplierbestimmungen, Qualitätseinbußen etc. sind die Folge. Dass dies
sowohl von der Ressourcenlage als auch von der Motivation her ungünstige
Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Schulentwicklung darstellt,
liegt auf der Hand. Andererseits ist durch die nationale und
internationale Diskussion über eine Aktualisierung und Globalisierung
von leistungsfähigen Bildungssystemen für die neuen Anforderungen der
wissensbasierten Gesellschaft auch vieles aufgebrochen, was zu
Neuorientierung herausfordert. Auf diese neuen Herausforderungen
versuchen wir in Wien trotz schlechterer Rahmenbedingungen mit den
vorliegenden Schulversuchen und Projekten Antworten zu finden. Für
fundierte Antworten ist nicht nur eine Vertiefung einzelner
Fragestellungen nötig, sondern auch ein verstärktes Augenmerk auf
Evaluierung und verwertbare Ergebnisse.
Ein entscheidender, wenn auch noch
umstrittener, Schritt in Richtung Neuorientierung wurde im Wiener
Pflichtschulwesen durch den Schulversuch bzw. das Projekt „Kooperative
Mittelschule“ gesetzt, der seit Beginn des Schuljahres an zahlreichen
Landesstandorten und einigen Bundesschulstandorten gestartet wurde.
Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit sind in der KMS das
individualisierte Lernangebot in innerer Differenzierung zur
Leistungsförderung und Leistungsmotivation, das fächerübergreifende
Arbeiten und die lernzielorientierte Beurteilung. Dabei fließen auch die
Bemühungen um den Unterricht mit Bildungsstandards ein.
Im Bereich der Volksschulen weisen wir
auf den neuen Schulversuch „Bildungsdokumentation“ hin, der den Kanon
der Formen alternativer Leistungsbeurteilung erweitert. Die
Modellbeschreibung zur „Bildungsdokumentation“ belegt, dass hinter
dieser Form der alternativen Leistungsbeurteilung auch die Frage der
Evaluation im Hinblick auf Erreichung der Lernziele, der Erreichung der
Bildungsstandards, die Frage „selbstgesteuerten Wissenserwerbs“ etc.
steht.
Verbesserung der Schulqualität ist auch
ein zentrales Anliegen der Wiener allgemein bildenden höheren Schulen.
Sie setzen in der Unterstufe durch vermehrte Kooperation mit den
Pflichtschulen und durch Schulversuche im Bereich der „Oberstufe“ den
Trend zur Reformierung fort. Eine breite Palette reicht vom
„Musisch-Kreativen“ bis zu den modernen Informations- und
Kommunikationstechniken.
Sprachbegabten SchülerInnen wird an
einigen Schulen die Möglichkeit geboten, über Wahlpflichtgegenstände in
Italienisch, Spanisch oder Russisch zu maturieren. Diese
Wahlpflichtgegenstände wurden auf drei Wochenstunden pro Schuljahr
(insgesamt drei mal drei Jahre) aufgestockt und sollen die
Sprachkompetenz deutlich verbessern.
Im Bereich „Mathematik und
Naturwissenschaften“ wollen wir Sie besonders auf den „fächerübergreifenden
naturwissenschaftlichen Unterricht“, „Experimentalunterricht“ (=
intensive Vorbereitung auf naturwissenschaftliche Studien sowie eine
Steigerung der Motivation), „naturwissenschaftliche Praktika“ und die
„Leistungsmessung und Beurteilung im Mathematikunterricht“ hinweisen.